Veranstaltung: Schulkindbetreuung – worauf kommt es an

Zur Podiumsdiskussion: Schulkindbetreuung – worauf kommt es an“ der Lübecker Bürgerschaftsfraktion GAL unter Beteiligung der HortretterInnen


Lübeck, März 2018. In den letzten Monaten gab es viel Bewegung in der Diskussion um die Schulkindbetreuung in Lübeck. Vor Jahren hatte die Lübecker Bürgerschaft die Schließung der Horte zugunsten eines Ausbaus der Betreuten Grundschulen beschlossen. Jüngst gab es nun einen Beschluss im Jugendhilfeausschluss, der diese Entscheidung revidierte. Eine Podiumsdiskussion der Fraktion Grün+Alternativ+Links am 13. März 2018 hatte zum Ziel, Sachlichkeit in die emotional geführte Debatte zu bringen. Am Ende waren sich alle einig: An der Kinderbetreuung zu sparen, heißt an der Zukunft unseres Landes zu sparen.

An der großen Frage des Abends „Schulkindbetreuung – worauf kommt es an?“ hatten viele LübeckerInnen Interesse. Im Börsensaal des Rathauses war nahezu jeder Platz besetzt. Auf dem Podium diskutierten: Dr. Wolfgang Hammer, freiberuflicher Soziologe und Fachautor, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des Deutschen Kinderhilfswerks, ehemaliger Sprecher für Kinder- und Jugendpolitik der Länder und Leiter der Kinder- und Jugendhilfe; Prof. Dr. Arnold, langjähriger Direktor der Klinik für Neurochirurgie des UKSH, Vorstandsmitglied des Fördervereins für Lübecker Kinder e.V.; Nicola Leuschner vom Deutschen Kinderschutzbund, der auch Träger zweier Lübecker Betreuter Grundschulen ist; Sonja Rieper von der Fachstelle schulische Ganztags- und Betreuungsangebote der Hansestadt Lübeck sowie Juleka Schulte-Ostermann, Erziehungswissenschaftlerin und Vertreterin der Elterninitiative der HortretterInnen. Moderiert wurde die Diskussion von Antje Jansen, Erzieherin und Mitglied der GAL-Fraktion.

Die Podiumsgäste legten im ersten Teil der Veranstaltung ihre Standpunkte zum Thema Grundschulkinderbetreuung dar. Im Anschluss gab es eine offene Diskussion, an der sich auch die Gäste beteiligten. Hierbei zeigte sich, dass das Thema qualitative Grundschulkinderbetreuung vor allem zu einer Frage führt: „Was sind uns und der Gesellschaft unsere Kinder wert?“

Zunächst gab Sonja Rieper einen Überblick über die bildungspolitischen Entscheidungen, welche in der Vergangenheit zu einem Abbau der Horte zugunsten eines qualitativen Ausbaus der Betreuten Grundschulen in Lübeck geführt hatten.

Zur Frage der Finanzierbarkeit guter Grundschulkinderbetreuung verwiese Nicola Leuschner auf Ergebnisse der McKinsey-Studie, nach der Investitionen in Bildung zu einer Rendite von 1:3 führten. „Wer hier spart, ist ein Dummkopf!“, so Prof. Arnold mit Blick auf die Notwendigkeit einer qualitativ hochwertigen Kinderbetreuung.

Dr. Hammer stufte die Hortbetreuung als alternativlos ein und sprach sich deutlich gegen eine Zweite-Klasse-Bildung und Betreuung an Grundschulen aus. Horte seien fachpolitisch eine unstrittige Forderung und aufgrund gesetzlicher Vorgaben müssten Kommunen für Kinder im schulpflichtigen Alter ein bedarfsgerechtes Angebot an Horten in Tageseinrichtungen bieten. Alle anderen aktuell gelebten Alternativen der Grundschulkinderbetreuung seien weder fachlich noch rechtlich und damit auch politisch nicht zu verantworten. Sie gefährdeten vielmehr die Bildung der Kinder und somit die Zukunft unseres Landes, führte Dr. Hammer in deutlichen Worten fort. Frau Schulte-Ostermann betonte, dass für Eltern eine bedarfsgerechte Grundschulkinderbetreuung unverzichtbar sei: „Kinder und Familien sind verschieden und daher reicht es nicht, wenn es nur eine Form der Grundschulkinderbetreuung gibt“, so die Erziehungswissenschaftlerin.

Antje Jansen fasste die Diskussion der PodiumsteilnehmerInnen zusammen:
“Das notwendige Geld für eine bedarfsgerechte Kinderbetreuung muss jetzt
aufgebracht werden – nicht erst in ferner Zukunft.”

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