Trotz Bürgerschaftsbeschluss Abbau von 63 Hortplätzen in Lübeck – HortretterInnen kämpfen weiter

Lübeck, Mai 2018. Entgegen dem im März 2018 verabschiedeten Beschluss der Lübecker Bürgerschaft planen die beiden größten Träger – Kitawerk gGmbH und Kinderwege gGmbH – sowie der Freie Träger CVJM den Abbau von 63 Hortplätzen. Die HortretterInnen suchen nach Antworten und Lösungen.

Seit Ende 2016 setzt sich die Elterninitiative der HortretterInnen für den Erhalt aller Hortplätze in Lübeck und Hortstandards an Betreuten Grundschulen ein. Im März 2018 erwirkten die HortretterInnen einen Bürgerschaftsbeschluss. Dieser legt fest, dass die noch bestehenden Horte Lübecks parallel zum Ausbau der Betreuten Grundschule so lange erhalten bleiben, bis Hortstandards an den Betreuten Grundschulen geschaffen wurden.

Doch bereits Anfang Mai 2018 erfuhren die HortretterInnen, dass die beiden größten Kitaträger Lübecks – Kitawerk gGmbH und Kinderwege gGmbH – ihre Hortplätze zum kommenden Schuljahr abbauen werden. „Wir gingen anfänglich von 33 Hortplätzen aus, die diese beiden Träger streichen. Derzeit wissen wir nun von mindestens 63 Plätzen“, berichtet Anna Sondermann, Mitglied der Initiative HortretterInnen. Zusätzlich zu den bekannten 33 Hortplätzen werden 15 – also mehr als die Hälfte – der insgesamt 29 Hortplätze vom Kitawerk im Marienhort abgebaut. Darüberhinaus wird der CVJM e. V. seinen Hort in der Kita „Wilde 13“ mit 15 Plätzen schließen.

Der Bürgerschaftsbeschluss ermöglicht den freien Trägern den Erhalt ihrer Hortplätze. Parallel können sie ihre Betreuungsstandorte nach dem Konzept ‚Ganztag an Schule’ ausbauen und zusätzlich die Gruppe ‚GanztagPlus’ schaffen“, berichtet Anna Sondermann. „Wir HortretterInnen verstehen nicht, warum es der Verwaltung des Fachbereichs vier nicht gelungen ist, die freien Träger von mehr Qualität in der Schulkinderbetreuung zu überzeugen. Zumal sie die anfallenden Kosten nicht selbst tragen müssen, weil diese refinanziert werden. Wir haben kein Verständnis dafür, dass sich die betreffenden freien Träger klar gegen eine höhere Betreuungsqualität an ihren Einrichtungen entschieden haben“, so Juleka Schulte-Ostermann von der Elterninitiative.

Das neue Schuljahr startet am 20. August 2018 und steht somit planungstechnisch bei den Eltern unmittelbar bevor. „Die Verwaltung muss daher schnellstmöglich dafür Sorge tragen, dass die von den freien Trägern abgebauten Hortplätze zum kommenden Schuljahr nun durch neue Träger angeboten werden. Eine Option wäre, dass die Stadt selber Träger dieser Hortplätze würde und die Plätze schnellstmöglich bundesweit ausschriebe“, fordert die Hortretterin.

Unterstützung suchten die HortretterInnen erneut bei PolitikerInnen, der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie der Kreiselternvertretung und dem Frauenbüro. Bereits Anfang Mai kam es daraufhin zu einem Gespräch, an dem unter anderem VertreterInnen der SPD, GAL, LINKE, FDP, Kreiselternvertretung und GEW teilnahmen und Rückhalt für das Anliegen der HortretterInnen zusicherten. „Wir brauchen nun ein weiteres Gespräch, an dem sich auch die Verwaltung beteiligt, um eine Lösung im Sinne des Bürgerschaftsbeschlusses zur Sicherstellung der Hortplätze zu finden. Denn auch, wenn uns an einer für alle Beteiligten zufriedenstellenden Lösung gelegen ist, sehen wir uns an erster Stelle den Interessen der Kinder und ihrer Familien Lübecks und somit einer hochwertigen Schulkindbetreuung auf Hortniveau verpflichtet“, so Anna Sondermann abschließend.

Richtigstellung: Entgegen der Angaben in der Pressemitteilung wird der Marienhort derzeit nicht abgebaut. Die Hortretter danken für diese erfreuliche Richtigstellung des KitaWerkes.

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